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Dienstag, 25. Oktober 2011
Tagtraum 1
menelin, 23:40h
„Cirreaux?“
Meine älteste Schwester wandte sich erschrocken in die Richtung meiner Stimme und stiess dabei ihren knallpinken Fruchtsmoothie um, welcher wie eine zu dünnflüssige Schlammlawine ihre Hausaufgaben überschwemmte.
„Danke vielmals“, knurrte sie und hob zum Zeichen totaler Resignation ein Smoothie-durchtränktes Blatt in die Höhe. „Das war’s dann mit den Hausaufgaben für heute.“
„Gabrielle!“
Vorsichtig schritt ich über die Türschwelle und trat auf den kalten steinernen, von Blütenstaub bedeckten Boden. Ein wenig schadenfroh blickte ich auf die versaute Hausarbeit meiner Schwester und setzte mich auf den freien Flechtsessel neben ihr.
„Gabrielle!“
„Armin ist auf dem Weg.“
„Wie bitter du das sagst.“
„Gabrielle!“
Eine junge Bedienstete in einem schlichten Sommerkleidchen eilte aus der Tür, drehte sich aber sofort wieder auf dem Absatz, als sie die Sauerei auf dem Tisch erblickte und hetzte zurück in die Küche.
Wie hätte ich auch meine Abneigung gegenüber Prinz Armin verbergen sollen, wenn bereits seine blosse Präsenz meinen Würgreflex zur Probe stellte? Desweiteren war es offensichtlich, dass unsere Sympathien auf Gegenseitigkeit beruhten.
„Hauptsache Vittorienne freut sich“, entgegnete ich in weicherem Ton und genoss die noch schwachen Sonnenstrahlen auf meinen Wangen, „Schliesslich soll sie ihn heiraten.“
Ihre Verlobung war vor bereits acht Monaten vereinbart worden, doch mit der Hochzeit beeilte sich zu grossem Erstaunen des ganzen Landes niemand. Dieses Erstaunen wuchs, als die beiden sich unabhängig von der ausgemachten Heirat ineinander verliebten.
Hier hatte dieses ganze Erstaunen aber kein Ende, denn auch wir, ihre Schwestern, waren ziemlich überrascht, als wir den Prinzen Hand in Hand mit unserer feinen rothaarigen Vittorienne, fröhlich über die Seepromenade spazierend, erblickten. Nicht, dass wir unserer Schwester diese glückliche Wendung des Schicksals nicht von ganzem Herzen gewünscht hätten, doch liessen die Qualitäten des Prinzen einige Zweifel am Ganzen aufkommen.
„Kommst du Morgen in die Stadt Zayu?“
„Hmm?“ Die Frage meiner Schwester schien mir unpassend, also beschloss ich sie vorerst zu ignorieren, was diese aber nicht weiter kommentierte, denn Gabrielle huschte mit sichtlich errötetem Gesicht und einer Küchenpapierrolle herbei.
„Vater meinte, ich solle dir sagen, dass Prinz Armin mit uns allen sprechen wolle.“
„Wieso?“, fragte Cirreaux und beobachtete wie Gabrielle den Fruchtsmoothie mit den Einwegtüchern vom Tisch saugte.
„Ja, ich komme in die Stadt.“
Ein amüsiertes Grinsen huschte über die Lippen meiner Schwester, verschwand aber wieder, als sie erblickte, wie Gabrielle ihre Hausaufgaben zusammenknüllte und ohne das kleinste Anzeichen von Mitleid in den Abfall schmiss.
„Komm Herzchen.“
Langsam erhob ich mich, strich mein Kleid zurecht und trat in unser grosses, helles Wohnzimmer. Das Parkett quietschte leicht unter meinem Schritt. Dasselbe Quietschen wiederholte sich wenige Sekunden später, als meine ältere Schwester hinter mir auf den Boden auftrat.
Der Salon erstrahlte im Licht dreier Kristalluster, welche, wie millionen Libellenflügel von der Decke bammelten und kleine, süsse Regenbogen an die unmöglichsten Stellen des Raumes warfen.
Einer dieser Regenbogen zeichnete sich auf Armins Stirn und erzitterte bei jeder seiner Bewegungen. Er hatte sich sichtlich beschwipst und in theatralischer Pose vor uns aufgestellt, während die Geräusche aus der Küche der ganzen Szene zusätzlichen Nachdruck verliehen.
„Wie ihr wisst“, begann Armin und ich war sicher, dass er dieser Rede bereits geübt haben musste, „Zogen mein Vater und mein älterer Bruder vor einigen Tagen zur Friedenskonferenz, an die Grenzen unseres Reiches, bis zu den kalten Steppen von Gorno.“
Der Name unseres Nachbarlandes liess uns alle erschauern. Die Truppen von Kaiser Marduk bedrängten Svit bereits vom Norden, Osten und Süden her. Eine Friedensvereinbarung schien die einzige Möglichkeit für Svit, eine gewisse Eigenständigkeit zu bewahren. Natürlich war uns allen klar, dass der Friedensvertrag überwiegend zum Vorteil von Gorno ausfallen würde.
Armin konnte unsere Unruhe kaum geteilt haben, denn er fuhr in derselben heiteren Stimmung fort: „Die Friedensverhandlungen verlaufen allem Anschein nach äusserst…“ Armin stockte.
„Gut!“, brachte er nach einigen stillen Sekunden mit triumphierendem Gesichtsausdruck hervor, was mich wiederum innerlich auflachen liess.
Meine innere Belustigung musste sich in meinem Gesicht gespiegelt haben, denn Vittorienne fixierte mich mit einem ihrer tödlichen Blicke, welcher mir Warnung genug sein musste, falls ich nicht Opfer einer ihrer Wurfattacken werden wollte. Dank ihrer bemerkenswerten Trefferquote, was das Werfen von hochhackigen Schuhen und Porzellanzubehör anging, stellte auch die kleine Vittorienne eine ernstzunehmende Bedrohung dar.
„Da die Verhandlungen so gut verlaufen“, wiederholte Armin, „Bittet mein Vater mich, ebenfalls zur Friedenskonferenz zu reisen, sodass ich später als Botschafter fungieren kann.“
Vittorienne erhob sich. „Wie lange wirst du fort sein?“ In ihrer Stimme bebte die Angst.
Mein Vater, welcher bis anhin nur durch Armin hindurch gestarrt hatte, richtete sich in seinem Sessel auf und lehnte seinen Körper in die Richtung des Prinzen.
Ich konnte sehen, dass er nicht wusste, wie er auf die Ankündigung des Prinzen reagieren sollte, also entschied ich mich, ihm zuvorzukommen. Schnell sprang ich von meinem Sitzplatz am Rande des Saales, verbeugte mich vor Armin und senkte dabei auf unterwürfigste Weise meine Augenlider.
„Geehrter Prinz, entschuldigt mich, doch mein Magen möchte vor schierer freudiger Aufregung über diese frohe Nachricht kaum mehr zur Ruhe kommen.“ Ein süsses Lächeln umspielte meine Lippen, sodass Armin vor Überraschung nicht mehr als ein Nicken zustande brachte.
„Ich werde mich nun von eurer Hoheit verabschieden, obwohl dies eine ungeahnte Reue in mir aufkommen lässt, und wünsche ihnen eine wunderschöne Nacht.“
Im Geiste gratulierte ich mir zu diesem kleinen Sieg, doch wurde meine Freude, von einer finsteren Aussicht gedämpft, die mein immer schneller schlagendes Herz, wie eine eiserne Faust umschlossen hielt. Hastig überquerte ich die marmorne Eingangshalle und dankte Gott, dass keiner der Diener mich mit lästigen Fragen aufhielt.
Kaum war ich in Alex’ silbernen Chrysler eingestiegen, erklang das Schellen eines iPhones. Das Licht des Handys strahlte durch den dünnen Stoff meines seidenen Handbeutelchens, sodass kein Zweifel daran bestand, wessen iPhone sich bemerkbar machte.
Entschuldigend hob ich meine Schultern und schob den Riegel auf.
„Zayu!“, meldete sich Dhaleen mit sichtlich erregter Stimme, „Spinnst du eigentlich? Mutter bat mich, dir ins Zimmer zu folgen, doch dieses fand ich zu meinem grossen Entsetzen leer. Bist du dir eigentlich bewusst, was geschehen wird, wenn unsere Eltern herausfinden, dass du dich raus geschlichen hast?“
Sie wussten es also noch nicht.
„Dhaleen hör mich zu“, drängte ich sie, „Ich muss zu unserem Informanten. Vater wird das verstehen.“
Amüsierst stellte ich fest, dass meine Schwester wütend die Luft durch ihre Zähne einsog.
„Du verschwindest mitten in der Nacht, nur um dich mit deinem Geliebten zu treffen und erwartest, dass Vater es verstehen wird!“ Sie verfluchte mich, was mir einen Stich versetzte, doch überwog meine Belustigung, was meine entnervte Schwester anging, sodass ich ihr falsch gewähltes Vokabular ignorierte.
„Doch nicht wegen eines Schäferstündchens“, lachte ich.
„Wieso dann?“
Ich senkte meine Stimme. „Hast du denn nicht gehört, was Armin uns gesagt hat?“
„Hab ich wohl“, entgegnete Dhaleen in beleidigtem Ton.
„Dann musst dir doch aufgefallen sein, dass unser Vater aufmerksam wurde, als Armin mit seiner Einladung prahlte.“
„Wieso?“ Sie hatte sich ein wenig beruhigt. Ich konnte hören, wie das Bett quietschte, als sie sich darauf setzte. Sie war also immer noch in meinem Zimmer.
„Keine Ahnung, aber auf keinen Fall kann es für unser Land förderlich sein, wenn die gesamte Königliche Familie sich in den Armen des Feindes versammelt. Um ehrlich zu sein, zeugt es von einer Dummheit, welche ich unserem König nicht zutraue.“
Gedankenlos kratzte ich den Dreck von meinen Nägeln, während Dhaleen die Situation verarbeitete.
„Weck mich sobald du zu Hause bist“, bat mich Dhaleen und legte auf.
Behutsam nahm Alex mein Gesicht zwischen seine Hände und zwang mich, ihm in die Augen zu sehen. Er strich mir die Haare aus dem Gesicht und küsste mich sanft auf die Stirn. Ich senkte meine Lider und sog genüsslich seinen Duft ein. Die Mischung aus Old Spice, Waschmittel und Birnenholz erinnerte mich an unser altes Ferienhaus in den Bergen.
Wieder blickte er mich an.
„Bist du etwa vor seiner Hoheit geflüchtet?“ Er lachte über seinen eigenen Witz. Grinsend tippte ich ihm auf die Nase.
„Um ehrlich zu sein, war es heute von Vorteil, die geistreichen Bemerkungen unseres anbetungswürdigen Prinzen über sich ergehen zu lassen.“
„Was ist geschehen?“, fragte er nun mit ernster Stimme.
„Reden wir zu Hause darüber.“
Das Gut meiner Eltern lag ein gutes Stück ausserhalb der Stadt, sodass wir nun durch vollkommende Dunkelheit fuhren, denn keiner hatte sich die Mühe gemacht Strassenbeleuchtung neben einer Feldstrasse aufzustellen. Lediglich die Lichter des Armaturenbretts erhellten Alex‘ Gesicht, was mir aber reichte, um zu erkennen, dass er seine Lippen zu einem engen Strich zusammenpresste.
Vorsichtig küsste ich seinen Hals und sah zufrieden zu, wie die Anspannung allmählich von ihm wich. Ich wiederholte meine Geste und liess meinen Kopf auf seiner Schulter.
Die Position war äusserst unbequem, denn ich musste mich unnatürlich weit zu ihm herüber lehnen, doch ich wusste, dass ihn diese Berührung beruhigen würde.
Mit einem leisen Seufzer schloss ich die Augen und atmete nochmals seinen Geruch ein. Einige Szenen aus früheren Tagen blitzten wie Dias in meinem Kopf auf. Grossmutter am Telefon, Dhaleen und ich versteckten uns im hohen Gras, Mutter wie sie uns nach Zecken absuchte…
Dass ich eingeschlafen war, realisierte ich erst, als ich merkte, dass jemand mich behutsam aus dem Sitz hob.
„Alex?“, murmelte ich im Halbschlaf und umklammerte seinen Nacken mit beiden Händen.
Der nächste Morgen fühlte sich an, als hätte mich jemand in einen Käfig aus Wattebällchen gesteckt. Glücklich stellte ich fest, dass Alex mich sogar im Schlaf mit beiden Händen umklammert hielt. Mit einem Kichern kuschelte ich mich näher an ihn heran und genoss die heilende Wirkung seiner Wärme.
Es blieb mir nichts anderes übrig, als diese gestohlenen Augenblicke auszukosten, denn sie waren kostbarer als Wasser in der Wüste und rarer als Hope Diamanten in meiner Tasche.
Mein Vater tolerierte die Romanze im Stillen, während meine Mutter nichts davon wusste, doch hätten sie mir niemals erlaubt, Alex der Öffentlichkeit vorzustellen, oder ihn gar zu heiraten.
Der Gedanke an Heirat versetze mir einen Stich, sodass ich mich noch näher an die Brust von Alex schmiegte und mein Gesicht darin vergrub. Eines Tages würde ich einen Adeligen heiraten, der niemals im Stande sein würde meinem Geliebten das Wasser zu reichen. Meine Eltern würden uns eine grosse Hochzeit mit Unmengen von Blumen und vielen farbigen Cocktails arrangieren. Alle Gäste würden am Glück des jungen Paares teil haben wollen, die Presse würde sich über die arrangierte Ehe das Maul zerreissen und ich würde lächeln und lächeln. Wie eine Verrückte in der Gummizelle der Psychiatrie. Einfach nur lächeln.
Zärtlich fuhr ich mit den Fingern über Alex‘ Lippen. Am liebsten hätte ich sie geküsst, doch sein Griff liess nur wenig Bewegungsfreiheit zu und ich war äusserst darauf bedacht, ihn unter keinen Umständen zu wecken.
Wieder schmiegte ich mich an seine Brust und schloss die Augen. Die Bilder meiner immer schneller herannahenden Zukunft verschwanden nicht.
Obwohl ich mich kaum gerührt hatte, musste er meine Rastlosigkeit gespürt haben, denn auch er begann sich zu räuspern. Dass er endgültig wach war, wusste ich erst, als er meinen Kopf küsste.
„Entschuldige“, flüsterte ich, „Habe ich dich geweckt?“ Vorsichtig hob ich meinen Kopf und blickte in seine beinahe schwarzen Augen.
Er lachte und küsste mich auf die Nase. „Ich bin schon seit geraumer Zeit wach“, gab er zu und lockerte einen seiner Arme. Vorsichtig fuhr er mir über die Taillenseite. Das Kribbeln seiner Berührung liess auch nicht nach, als er die Hand auf meinen Hinterkopf legte und mit seinen Fingern zärtlich durch meine Haare strich.
Mein Herz machte einen Satz und ich stellte erschrocken fest, dass ich ihn noch mehr liebte, als am vorherigen Tag.
„Alex, wir müssen aufstehen.“
Ruckartig befreite ich mich aus seinen Armen und stieg aus dem Bett. Ich fühlte mich, als hätte mich jemand mit einer Pfanne zurück in die Realität gehauen.
Da Alex meine plötzliche Reaktion nicht verstand, blickte er auf die Uhr, doch deren kleiner Zeiger hatte sich noch kaum von der 6 entfernt.
„Was ist denn los?“, fragte er und rieb sich verschlafen die Augen.
„Eigentlich kam ich“, begann ich zu erklären, „Weil Armin nun ebenfalls zur Friedenskonferenz reisen will.“
Meine älteste Schwester wandte sich erschrocken in die Richtung meiner Stimme und stiess dabei ihren knallpinken Fruchtsmoothie um, welcher wie eine zu dünnflüssige Schlammlawine ihre Hausaufgaben überschwemmte.
„Danke vielmals“, knurrte sie und hob zum Zeichen totaler Resignation ein Smoothie-durchtränktes Blatt in die Höhe. „Das war’s dann mit den Hausaufgaben für heute.“
„Gabrielle!“
Vorsichtig schritt ich über die Türschwelle und trat auf den kalten steinernen, von Blütenstaub bedeckten Boden. Ein wenig schadenfroh blickte ich auf die versaute Hausarbeit meiner Schwester und setzte mich auf den freien Flechtsessel neben ihr.
„Gabrielle!“
„Armin ist auf dem Weg.“
„Wie bitter du das sagst.“
„Gabrielle!“
Eine junge Bedienstete in einem schlichten Sommerkleidchen eilte aus der Tür, drehte sich aber sofort wieder auf dem Absatz, als sie die Sauerei auf dem Tisch erblickte und hetzte zurück in die Küche.
Wie hätte ich auch meine Abneigung gegenüber Prinz Armin verbergen sollen, wenn bereits seine blosse Präsenz meinen Würgreflex zur Probe stellte? Desweiteren war es offensichtlich, dass unsere Sympathien auf Gegenseitigkeit beruhten.
„Hauptsache Vittorienne freut sich“, entgegnete ich in weicherem Ton und genoss die noch schwachen Sonnenstrahlen auf meinen Wangen, „Schliesslich soll sie ihn heiraten.“
Ihre Verlobung war vor bereits acht Monaten vereinbart worden, doch mit der Hochzeit beeilte sich zu grossem Erstaunen des ganzen Landes niemand. Dieses Erstaunen wuchs, als die beiden sich unabhängig von der ausgemachten Heirat ineinander verliebten.
Hier hatte dieses ganze Erstaunen aber kein Ende, denn auch wir, ihre Schwestern, waren ziemlich überrascht, als wir den Prinzen Hand in Hand mit unserer feinen rothaarigen Vittorienne, fröhlich über die Seepromenade spazierend, erblickten. Nicht, dass wir unserer Schwester diese glückliche Wendung des Schicksals nicht von ganzem Herzen gewünscht hätten, doch liessen die Qualitäten des Prinzen einige Zweifel am Ganzen aufkommen.
„Kommst du Morgen in die Stadt Zayu?“
„Hmm?“ Die Frage meiner Schwester schien mir unpassend, also beschloss ich sie vorerst zu ignorieren, was diese aber nicht weiter kommentierte, denn Gabrielle huschte mit sichtlich errötetem Gesicht und einer Küchenpapierrolle herbei.
„Vater meinte, ich solle dir sagen, dass Prinz Armin mit uns allen sprechen wolle.“
„Wieso?“, fragte Cirreaux und beobachtete wie Gabrielle den Fruchtsmoothie mit den Einwegtüchern vom Tisch saugte.
„Ja, ich komme in die Stadt.“
Ein amüsiertes Grinsen huschte über die Lippen meiner Schwester, verschwand aber wieder, als sie erblickte, wie Gabrielle ihre Hausaufgaben zusammenknüllte und ohne das kleinste Anzeichen von Mitleid in den Abfall schmiss.
„Komm Herzchen.“
Langsam erhob ich mich, strich mein Kleid zurecht und trat in unser grosses, helles Wohnzimmer. Das Parkett quietschte leicht unter meinem Schritt. Dasselbe Quietschen wiederholte sich wenige Sekunden später, als meine ältere Schwester hinter mir auf den Boden auftrat.
Der Salon erstrahlte im Licht dreier Kristalluster, welche, wie millionen Libellenflügel von der Decke bammelten und kleine, süsse Regenbogen an die unmöglichsten Stellen des Raumes warfen.
Einer dieser Regenbogen zeichnete sich auf Armins Stirn und erzitterte bei jeder seiner Bewegungen. Er hatte sich sichtlich beschwipst und in theatralischer Pose vor uns aufgestellt, während die Geräusche aus der Küche der ganzen Szene zusätzlichen Nachdruck verliehen.
„Wie ihr wisst“, begann Armin und ich war sicher, dass er dieser Rede bereits geübt haben musste, „Zogen mein Vater und mein älterer Bruder vor einigen Tagen zur Friedenskonferenz, an die Grenzen unseres Reiches, bis zu den kalten Steppen von Gorno.“
Der Name unseres Nachbarlandes liess uns alle erschauern. Die Truppen von Kaiser Marduk bedrängten Svit bereits vom Norden, Osten und Süden her. Eine Friedensvereinbarung schien die einzige Möglichkeit für Svit, eine gewisse Eigenständigkeit zu bewahren. Natürlich war uns allen klar, dass der Friedensvertrag überwiegend zum Vorteil von Gorno ausfallen würde.
Armin konnte unsere Unruhe kaum geteilt haben, denn er fuhr in derselben heiteren Stimmung fort: „Die Friedensverhandlungen verlaufen allem Anschein nach äusserst…“ Armin stockte.
„Gut!“, brachte er nach einigen stillen Sekunden mit triumphierendem Gesichtsausdruck hervor, was mich wiederum innerlich auflachen liess.
Meine innere Belustigung musste sich in meinem Gesicht gespiegelt haben, denn Vittorienne fixierte mich mit einem ihrer tödlichen Blicke, welcher mir Warnung genug sein musste, falls ich nicht Opfer einer ihrer Wurfattacken werden wollte. Dank ihrer bemerkenswerten Trefferquote, was das Werfen von hochhackigen Schuhen und Porzellanzubehör anging, stellte auch die kleine Vittorienne eine ernstzunehmende Bedrohung dar.
„Da die Verhandlungen so gut verlaufen“, wiederholte Armin, „Bittet mein Vater mich, ebenfalls zur Friedenskonferenz zu reisen, sodass ich später als Botschafter fungieren kann.“
Vittorienne erhob sich. „Wie lange wirst du fort sein?“ In ihrer Stimme bebte die Angst.
Mein Vater, welcher bis anhin nur durch Armin hindurch gestarrt hatte, richtete sich in seinem Sessel auf und lehnte seinen Körper in die Richtung des Prinzen.
Ich konnte sehen, dass er nicht wusste, wie er auf die Ankündigung des Prinzen reagieren sollte, also entschied ich mich, ihm zuvorzukommen. Schnell sprang ich von meinem Sitzplatz am Rande des Saales, verbeugte mich vor Armin und senkte dabei auf unterwürfigste Weise meine Augenlider.
„Geehrter Prinz, entschuldigt mich, doch mein Magen möchte vor schierer freudiger Aufregung über diese frohe Nachricht kaum mehr zur Ruhe kommen.“ Ein süsses Lächeln umspielte meine Lippen, sodass Armin vor Überraschung nicht mehr als ein Nicken zustande brachte.
„Ich werde mich nun von eurer Hoheit verabschieden, obwohl dies eine ungeahnte Reue in mir aufkommen lässt, und wünsche ihnen eine wunderschöne Nacht.“
Im Geiste gratulierte ich mir zu diesem kleinen Sieg, doch wurde meine Freude, von einer finsteren Aussicht gedämpft, die mein immer schneller schlagendes Herz, wie eine eiserne Faust umschlossen hielt. Hastig überquerte ich die marmorne Eingangshalle und dankte Gott, dass keiner der Diener mich mit lästigen Fragen aufhielt.
Kaum war ich in Alex’ silbernen Chrysler eingestiegen, erklang das Schellen eines iPhones. Das Licht des Handys strahlte durch den dünnen Stoff meines seidenen Handbeutelchens, sodass kein Zweifel daran bestand, wessen iPhone sich bemerkbar machte.
Entschuldigend hob ich meine Schultern und schob den Riegel auf.
„Zayu!“, meldete sich Dhaleen mit sichtlich erregter Stimme, „Spinnst du eigentlich? Mutter bat mich, dir ins Zimmer zu folgen, doch dieses fand ich zu meinem grossen Entsetzen leer. Bist du dir eigentlich bewusst, was geschehen wird, wenn unsere Eltern herausfinden, dass du dich raus geschlichen hast?“
Sie wussten es also noch nicht.
„Dhaleen hör mich zu“, drängte ich sie, „Ich muss zu unserem Informanten. Vater wird das verstehen.“
Amüsierst stellte ich fest, dass meine Schwester wütend die Luft durch ihre Zähne einsog.
„Du verschwindest mitten in der Nacht, nur um dich mit deinem Geliebten zu treffen und erwartest, dass Vater es verstehen wird!“ Sie verfluchte mich, was mir einen Stich versetzte, doch überwog meine Belustigung, was meine entnervte Schwester anging, sodass ich ihr falsch gewähltes Vokabular ignorierte.
„Doch nicht wegen eines Schäferstündchens“, lachte ich.
„Wieso dann?“
Ich senkte meine Stimme. „Hast du denn nicht gehört, was Armin uns gesagt hat?“
„Hab ich wohl“, entgegnete Dhaleen in beleidigtem Ton.
„Dann musst dir doch aufgefallen sein, dass unser Vater aufmerksam wurde, als Armin mit seiner Einladung prahlte.“
„Wieso?“ Sie hatte sich ein wenig beruhigt. Ich konnte hören, wie das Bett quietschte, als sie sich darauf setzte. Sie war also immer noch in meinem Zimmer.
„Keine Ahnung, aber auf keinen Fall kann es für unser Land förderlich sein, wenn die gesamte Königliche Familie sich in den Armen des Feindes versammelt. Um ehrlich zu sein, zeugt es von einer Dummheit, welche ich unserem König nicht zutraue.“
Gedankenlos kratzte ich den Dreck von meinen Nägeln, während Dhaleen die Situation verarbeitete.
„Weck mich sobald du zu Hause bist“, bat mich Dhaleen und legte auf.
Behutsam nahm Alex mein Gesicht zwischen seine Hände und zwang mich, ihm in die Augen zu sehen. Er strich mir die Haare aus dem Gesicht und küsste mich sanft auf die Stirn. Ich senkte meine Lider und sog genüsslich seinen Duft ein. Die Mischung aus Old Spice, Waschmittel und Birnenholz erinnerte mich an unser altes Ferienhaus in den Bergen.
Wieder blickte er mich an.
„Bist du etwa vor seiner Hoheit geflüchtet?“ Er lachte über seinen eigenen Witz. Grinsend tippte ich ihm auf die Nase.
„Um ehrlich zu sein, war es heute von Vorteil, die geistreichen Bemerkungen unseres anbetungswürdigen Prinzen über sich ergehen zu lassen.“
„Was ist geschehen?“, fragte er nun mit ernster Stimme.
„Reden wir zu Hause darüber.“
Das Gut meiner Eltern lag ein gutes Stück ausserhalb der Stadt, sodass wir nun durch vollkommende Dunkelheit fuhren, denn keiner hatte sich die Mühe gemacht Strassenbeleuchtung neben einer Feldstrasse aufzustellen. Lediglich die Lichter des Armaturenbretts erhellten Alex‘ Gesicht, was mir aber reichte, um zu erkennen, dass er seine Lippen zu einem engen Strich zusammenpresste.
Vorsichtig küsste ich seinen Hals und sah zufrieden zu, wie die Anspannung allmählich von ihm wich. Ich wiederholte meine Geste und liess meinen Kopf auf seiner Schulter.
Die Position war äusserst unbequem, denn ich musste mich unnatürlich weit zu ihm herüber lehnen, doch ich wusste, dass ihn diese Berührung beruhigen würde.
Mit einem leisen Seufzer schloss ich die Augen und atmete nochmals seinen Geruch ein. Einige Szenen aus früheren Tagen blitzten wie Dias in meinem Kopf auf. Grossmutter am Telefon, Dhaleen und ich versteckten uns im hohen Gras, Mutter wie sie uns nach Zecken absuchte…
Dass ich eingeschlafen war, realisierte ich erst, als ich merkte, dass jemand mich behutsam aus dem Sitz hob.
„Alex?“, murmelte ich im Halbschlaf und umklammerte seinen Nacken mit beiden Händen.
Der nächste Morgen fühlte sich an, als hätte mich jemand in einen Käfig aus Wattebällchen gesteckt. Glücklich stellte ich fest, dass Alex mich sogar im Schlaf mit beiden Händen umklammert hielt. Mit einem Kichern kuschelte ich mich näher an ihn heran und genoss die heilende Wirkung seiner Wärme.
Es blieb mir nichts anderes übrig, als diese gestohlenen Augenblicke auszukosten, denn sie waren kostbarer als Wasser in der Wüste und rarer als Hope Diamanten in meiner Tasche.
Mein Vater tolerierte die Romanze im Stillen, während meine Mutter nichts davon wusste, doch hätten sie mir niemals erlaubt, Alex der Öffentlichkeit vorzustellen, oder ihn gar zu heiraten.
Der Gedanke an Heirat versetze mir einen Stich, sodass ich mich noch näher an die Brust von Alex schmiegte und mein Gesicht darin vergrub. Eines Tages würde ich einen Adeligen heiraten, der niemals im Stande sein würde meinem Geliebten das Wasser zu reichen. Meine Eltern würden uns eine grosse Hochzeit mit Unmengen von Blumen und vielen farbigen Cocktails arrangieren. Alle Gäste würden am Glück des jungen Paares teil haben wollen, die Presse würde sich über die arrangierte Ehe das Maul zerreissen und ich würde lächeln und lächeln. Wie eine Verrückte in der Gummizelle der Psychiatrie. Einfach nur lächeln.
Zärtlich fuhr ich mit den Fingern über Alex‘ Lippen. Am liebsten hätte ich sie geküsst, doch sein Griff liess nur wenig Bewegungsfreiheit zu und ich war äusserst darauf bedacht, ihn unter keinen Umständen zu wecken.
Wieder schmiegte ich mich an seine Brust und schloss die Augen. Die Bilder meiner immer schneller herannahenden Zukunft verschwanden nicht.
Obwohl ich mich kaum gerührt hatte, musste er meine Rastlosigkeit gespürt haben, denn auch er begann sich zu räuspern. Dass er endgültig wach war, wusste ich erst, als er meinen Kopf küsste.
„Entschuldige“, flüsterte ich, „Habe ich dich geweckt?“ Vorsichtig hob ich meinen Kopf und blickte in seine beinahe schwarzen Augen.
Er lachte und küsste mich auf die Nase. „Ich bin schon seit geraumer Zeit wach“, gab er zu und lockerte einen seiner Arme. Vorsichtig fuhr er mir über die Taillenseite. Das Kribbeln seiner Berührung liess auch nicht nach, als er die Hand auf meinen Hinterkopf legte und mit seinen Fingern zärtlich durch meine Haare strich.
Mein Herz machte einen Satz und ich stellte erschrocken fest, dass ich ihn noch mehr liebte, als am vorherigen Tag.
„Alex, wir müssen aufstehen.“
Ruckartig befreite ich mich aus seinen Armen und stieg aus dem Bett. Ich fühlte mich, als hätte mich jemand mit einer Pfanne zurück in die Realität gehauen.
Da Alex meine plötzliche Reaktion nicht verstand, blickte er auf die Uhr, doch deren kleiner Zeiger hatte sich noch kaum von der 6 entfernt.
„Was ist denn los?“, fragte er und rieb sich verschlafen die Augen.
„Eigentlich kam ich“, begann ich zu erklären, „Weil Armin nun ebenfalls zur Friedenskonferenz reisen will.“
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Im Unterricht
menelin, 20:43h
Ich:
Sicher dass ihr nicht Technicker im Schultheater werden wollt? Es gibt immer gratis Pizza und eine zusätzliche freie Schulwoche!
Dhaleen:
Eideutig NIIIIICHD!
Martin:
Facebook Chat
Der Deutschleherer: Eindeutig "N"!
NICHT ohne dreifach fünfach "I"
und "T" anstelle von "D"
Martin Rocher gefällt das.
Ingrid:
Lieber selber mitspielen!
Romina:
Ich will auch!
Anonym:
Ohh *tröst*
Yve:
Manchmal, aber nur manchmal liege ich in meinem Bett und träume. Nicht von Frauenkörpern, nein, vom Rampenlicht. Wie ich es kunstvoll bediene und mir damit minderwertige Schauspieler beleuchte, mit dem Geschick eines Elefanten beim Essen mit dem Rüssel. Aber es sind nur Träume, in bin ein niemand und werde es nie in die hohen Ränge eines Technickers aufsteigen. Deshalb leider, meine allbarmherzige Menelin, Ich muss das Angebot unter Tränen ablehnen.
Anonym2:
Very good!
Anonym3:
Ich schliesse mich dieser ausführlichen Antwort an.
Anonym4:
Dito
Sandy: Leider nein... Dieter einen Kommentar?
...
Sicher dass ihr nicht Technicker im Schultheater werden wollt? Es gibt immer gratis Pizza und eine zusätzliche freie Schulwoche!
Dhaleen:
Eideutig NIIIIICHD!
Martin:
Facebook Chat
Der Deutschleherer: Eindeutig "N"!
NICHT ohne dreifach fünfach "I"
und "T" anstelle von "D"
Martin Rocher gefällt das.
Ingrid:
Lieber selber mitspielen!
Romina:
Ich will auch!
Anonym:
Ohh *tröst*
Yve:
Manchmal, aber nur manchmal liege ich in meinem Bett und träume. Nicht von Frauenkörpern, nein, vom Rampenlicht. Wie ich es kunstvoll bediene und mir damit minderwertige Schauspieler beleuchte, mit dem Geschick eines Elefanten beim Essen mit dem Rüssel. Aber es sind nur Träume, in bin ein niemand und werde es nie in die hohen Ränge eines Technickers aufsteigen. Deshalb leider, meine allbarmherzige Menelin, Ich muss das Angebot unter Tränen ablehnen.
Anonym2:
Very good!
Anonym3:
Ich schliesse mich dieser ausführlichen Antwort an.
Anonym4:
Dito
Sandy: Leider nein... Dieter einen Kommentar?
...
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"berry me"
menelin, 20:20h
Da sass ich. Lippenstift der Farbe "berry me", 10 Zentimeter Absätze an meinen Boots, Strümpfe, Minirock, Lederjacke und ein veganes Essen in meiner senfgelben Handtasche von Sofa Line.
Vor mir?
Leitfaden zur sprachlichen Gleichbehandlung von Mann und Frau.
An der Wandtafel?
Ein grinsender Lehrer mit hochgezogener Augenbraue und Karohemd.
"Bitte lest euch durch das gesamte Dossier."
Da sass ich; verwirrt, verängstigt und noch dazu völlig erschüttert. Wieso hatte mich niemand geweckt? Ich musste für längere Zeit geschlafen haben. Die Menschheit hatte es doch tatsächlich geschafft über ihren eigenen Schatten hinweg zu springen und alle relevanten Probleme wie Hunger, Armut und Terrorismus von der Erde zu vertreiben.
Und nun, endlich, wie ich gerne bemerken mochte, konnte sie sich mit den wirklich interessanten Dingen wie dem generischen Maskulinum und den Legaldefinitionen beschäftigen!
Mit rasendem Herzen las ich mich durch die Zeilen:
„Seit 1981 ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Bundesverfassung verankert. (Art.8 Abs. 3).“
Stimmt so. Ich erinnerte mich wage daran vor nicht all zu langer Zeit, den angesprochenen Satz an erwähntem Ort aufgefunden zu haben.
“ Bis heute gibt es jedoch Bereiche, in denen Frauen und Männer nicht gleichberechtigt sind. Es bedarf weiterer Anstrengungen, um die tatsächliche Gleichstellung in allen Lebensbereichen zu verwirklichen.“
Hab ich’s doch gewusst! Die Frau aus der Kantine gab den Jungs doch immer mehr Fleisch ab, als den Mädchen.
„Dazu gehört auch die Sprache.“
Wie wahr. Hier sprach mir jemand aus der Seele. Wusstet ihr, dass es im slowakischen kein allgemein gebräuchliches Wort für „Nutterich“, also eine sogenannte männliche Schlampe gibt?
Doch nun weiter zum Inhalt. Wie mir fortlaufend und wortwörtlich aus dem Dossier überliefert wurde, besteht die Menschheit doch tatsächlich aus Frauen und Männern. Auch meint man, dass das generische Maskulinum, die Präsenz von Frauen verschleiert und noch dazu die Frechheit besitzt ungenau zu sein!
Hierzu ein Beispiel:
"Alle Fussgänger sollen bei Rot stehen bleiben."
Dieser Satz sei politisch nicht korrekt, da er erstens die Existenz von Fussgängerinnen leugne und zweitens verursache, dass allfällige, doch existierende, Fussgängerinnen die Warnung nur auf männliche Fussgänger beziehen könnten und diese daher missachteten, was, wie wir alle wissen, zu schrecklichen Unfällen führen könnte und unausweichlicher Weise würde, falls wir nicht schleunigst etwas an unserem anmassenden, patriarchalischen Sprachgebrauch ändern sollten!
Ebenfalls habe ich in Erfahrung bringen können, dass ein gebildetes, emanzipertes Individuum einen Lehrer nur noch als Lehrkörper oder Lehrpersonal bezeichnet, da lediglich dies uns weiblichen Bürgerinnen gerecht werden kann.
Weiteres zulässliches Vokabular:
das Mitglied, das Präsidium, die Leitung, der Rat, etc.
Genervt strich ich den ironischen Unterton aus meinen Gedanken und liess demonstrativ meinen Kugelschreiber aufs Pult knallen. Wieso sollte sich jemand mit solch einem hirnrissigen Thema beschäftigen? Wieso nicht lieber neue Frauenhäuser gründen, Aufklärungsunterricht in dritt Weltländern leiten oder zumindest darauf achten, dass überkonservative Primarschullehrer unsere süssen Kleinen nicht in Schubladen stecken.
Sich an der Sprache zu schaffen machen, sie in ein schwerfälliges und kompliziertes Gebilde umzuwandeln, nur damit sich auch die Feministin in der hinteren Reihe auf die Schulter klopfen kann, ist doch dumm, ja sogar kontraproduktiv. Kein Mann würde uns Frauen jemals respektieren, sollten wir solchen Unsinn von ihm fordern. Das war schlicht lachhaft.
Kopfschüttelnd malte ich kleine Sternchen auf das Dossier, wobei mir auffiel, dass es sich bereits um die 4. Auflage handelte.
Meinem Lehrer musste dies aufgefallen sein und die äussert ähnlichen Reaktionen meiner Mitschüler ebenfalls, denn er schickte uns lachend einige Minuten früher in die Pause.
PS:Kleiner Tipp am Rande. Schlüpft in eure sündhaft teuren Lieblingsstilletos, tragt ein blumiges Kleid dazu und lasst eure langen Haare im Wind hinter euch her wehen. Seid doch froh darüber, dass nur ihr Frauen das könnt, ohne lächerlich dabei zu wirken und hört endlich damit auf krampfhaft jeden Tag Jeans und Pullis zu tragen, nur weil Jungs das auch tun.
Wartet doch lieber den Tag ab, an welchem Jungs sich für Miniröcke entscheiden, weil diese so positiv ihre schlanken, langen Beine betonen.
Hab euch lieb
Menelin
Vor mir?
Leitfaden zur sprachlichen Gleichbehandlung von Mann und Frau.
An der Wandtafel?
Ein grinsender Lehrer mit hochgezogener Augenbraue und Karohemd.
"Bitte lest euch durch das gesamte Dossier."
Da sass ich; verwirrt, verängstigt und noch dazu völlig erschüttert. Wieso hatte mich niemand geweckt? Ich musste für längere Zeit geschlafen haben. Die Menschheit hatte es doch tatsächlich geschafft über ihren eigenen Schatten hinweg zu springen und alle relevanten Probleme wie Hunger, Armut und Terrorismus von der Erde zu vertreiben.
Und nun, endlich, wie ich gerne bemerken mochte, konnte sie sich mit den wirklich interessanten Dingen wie dem generischen Maskulinum und den Legaldefinitionen beschäftigen!
Mit rasendem Herzen las ich mich durch die Zeilen:
„Seit 1981 ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Bundesverfassung verankert. (Art.8 Abs. 3).“
Stimmt so. Ich erinnerte mich wage daran vor nicht all zu langer Zeit, den angesprochenen Satz an erwähntem Ort aufgefunden zu haben.
“ Bis heute gibt es jedoch Bereiche, in denen Frauen und Männer nicht gleichberechtigt sind. Es bedarf weiterer Anstrengungen, um die tatsächliche Gleichstellung in allen Lebensbereichen zu verwirklichen.“
Hab ich’s doch gewusst! Die Frau aus der Kantine gab den Jungs doch immer mehr Fleisch ab, als den Mädchen.
„Dazu gehört auch die Sprache.“
Wie wahr. Hier sprach mir jemand aus der Seele. Wusstet ihr, dass es im slowakischen kein allgemein gebräuchliches Wort für „Nutterich“, also eine sogenannte männliche Schlampe gibt?
Doch nun weiter zum Inhalt. Wie mir fortlaufend und wortwörtlich aus dem Dossier überliefert wurde, besteht die Menschheit doch tatsächlich aus Frauen und Männern. Auch meint man, dass das generische Maskulinum, die Präsenz von Frauen verschleiert und noch dazu die Frechheit besitzt ungenau zu sein!
Hierzu ein Beispiel:
"Alle Fussgänger sollen bei Rot stehen bleiben."
Dieser Satz sei politisch nicht korrekt, da er erstens die Existenz von Fussgängerinnen leugne und zweitens verursache, dass allfällige, doch existierende, Fussgängerinnen die Warnung nur auf männliche Fussgänger beziehen könnten und diese daher missachteten, was, wie wir alle wissen, zu schrecklichen Unfällen führen könnte und unausweichlicher Weise würde, falls wir nicht schleunigst etwas an unserem anmassenden, patriarchalischen Sprachgebrauch ändern sollten!
Ebenfalls habe ich in Erfahrung bringen können, dass ein gebildetes, emanzipertes Individuum einen Lehrer nur noch als Lehrkörper oder Lehrpersonal bezeichnet, da lediglich dies uns weiblichen Bürgerinnen gerecht werden kann.
Weiteres zulässliches Vokabular:
das Mitglied, das Präsidium, die Leitung, der Rat, etc.
Genervt strich ich den ironischen Unterton aus meinen Gedanken und liess demonstrativ meinen Kugelschreiber aufs Pult knallen. Wieso sollte sich jemand mit solch einem hirnrissigen Thema beschäftigen? Wieso nicht lieber neue Frauenhäuser gründen, Aufklärungsunterricht in dritt Weltländern leiten oder zumindest darauf achten, dass überkonservative Primarschullehrer unsere süssen Kleinen nicht in Schubladen stecken.
Sich an der Sprache zu schaffen machen, sie in ein schwerfälliges und kompliziertes Gebilde umzuwandeln, nur damit sich auch die Feministin in der hinteren Reihe auf die Schulter klopfen kann, ist doch dumm, ja sogar kontraproduktiv. Kein Mann würde uns Frauen jemals respektieren, sollten wir solchen Unsinn von ihm fordern. Das war schlicht lachhaft.
Kopfschüttelnd malte ich kleine Sternchen auf das Dossier, wobei mir auffiel, dass es sich bereits um die 4. Auflage handelte.
Meinem Lehrer musste dies aufgefallen sein und die äussert ähnlichen Reaktionen meiner Mitschüler ebenfalls, denn er schickte uns lachend einige Minuten früher in die Pause.
PS:Kleiner Tipp am Rande. Schlüpft in eure sündhaft teuren Lieblingsstilletos, tragt ein blumiges Kleid dazu und lasst eure langen Haare im Wind hinter euch her wehen. Seid doch froh darüber, dass nur ihr Frauen das könnt, ohne lächerlich dabei zu wirken und hört endlich damit auf krampfhaft jeden Tag Jeans und Pullis zu tragen, nur weil Jungs das auch tun.
Wartet doch lieber den Tag ab, an welchem Jungs sich für Miniröcke entscheiden, weil diese so positiv ihre schlanken, langen Beine betonen.
Hab euch lieb
Menelin
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